Leben im 18. Jahrhundert

Literatur · Reisen · Kleidung und Mode · Einrichtung in Bürgerhäusern · Bildende Kunst · Theater · Vergnügen und Genüsse · Architektur · Philosophie · Politische und soziale Verhältnisse

Schlaglichter auf den kulturellen Alltag zu Zeiten von C. P. E. Bach

Literatur

Daniel Defoe (1660–1731), Gemälde (im Stil) von Godfry Kneller (Ende 17./Anfang 18. Jh). (Quelle: London, National Maritime Museum Greenwich)Im 18. Jahrhundert vollzieht sich eine „Leserevolution“. Buch- und Zeitschriftenverlage steigern ihre Produktion im erheblichen Maße. Moralische Wochenschriften wie der „Hamburger Patriot“ erreichen eine Auflagenstärke von bis zu 5.000 Stück und das „Journal des Luxus und der Moden“ schreibt ab 1786 eine 41-jährige Erfolgsgeschichte. Erbauungs- und Unterhaltungsliteratur wie Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ (1719), Jonathan Swifts „Gulliver’s Travels“ (1726) und Christian August Vulpius’ „Rinaldo Rinaldini“ (1798) findet reißenden Absatz. Adel, Klerus und das akademische Bürgertum bilden gemeinsame Lesegesellschaften. In fast allen Städten entstehen Leihbibliotheken. Laurence Sternes „Sentimental Journey Through France and Italy“ (dt. „Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien“) aus dem Jahre 1768 war das Kultbuch des späten 18. Jahrhunderts. Es ist nicht nur ein Schlüsselwerk der Reiseliteratur, sondern auch der Epoche der Empfindsamkeit schlechthin.

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Reisen

Johann Wolfgang von Goethe in der Campagna, Gemälde Von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1787). (Quelle: Frankfurt/Main, Städelsches Kunstinstitut)Nicht nur am regen Konsum von Reiseliteratur lässt sich ablesen, dass im 18. Jahrhundert der Wunsch, fremde Orte und Länder kennenzulernen, rasant wächst. Die klassische Bildungsreise ist nicht mehr das Privileg bestimmter Schichten, und die adelige Kavaliersreise wird gezielt genutzt, um Kontakte zu knüpfen und Informationen zu sammeln. Die Fahrt mit der Postkutsche ist jedoch nach wie vor beschwerlich und langsam (vier bis fünf Kilometer pro Stunde). Beliebte Reiseziele sind Paris, Rom und Venedig. Prominentester Reisebericht jener Zeit: Johann Wolfgang von Goethes „Italienische Reise“ (1786–88).

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Kleidung und Mode

Carl Bertuch (Hrsg.), Journal des Luxus und der Moden. hier: Ausgabe Weimar 1795. (Quelle: Wikipedia)Eine schnell wechselnde Kleidermode bildet sich erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts heraus. Zeitschriften wie das „Journal des Luxus und der Mode“ zeigen in Kupferstichen die neuesten Trends. Die aristokratische Eleganz der Pariser Mode hat es dabei zunehmend schwer, sich gegen die neue Mode aus England durchzusetzen, die sich besser an die Körperformen anpasst, von geschmackvoller Schlichtheit und funktional ist. Unter den deutschen Stürmern und Drängern sehr beliebt: blauer Frack, gelbe Weste und Kniehosen – das sogenannte „Wertherkostüm“ in Anlehnung an Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774).

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Einrichtung in Bürgerhäusern

Sekretär mit Nußholz furniert,theresianisch (1750). (Quelle: Wikipedia)Mehr Tageslicht, kleine, in ihrer Funktion differenzierte Räume und getrennte Sphären für Mann und Frau – so sieht der moderne bürgerliche Wohnraum im 18. Jahrhundert aus. Alte Kastenmöbel (Truhen) werden durch Schrankmöbel (z. B. Kommode) ersetzt, harte Stühle und Bänke durch Polstermöbel. Tische gibt es nun in etlichen Ausführungen. Wer es sich leisten kann, nutzt Geschirr aus Silber und Porzellan oder ersetzt das alte Zinngeschirr durch Steingut. Wand- und Wohnungsschmuck erfreut sich großer Beliebtheit: Bilder, Uhren, Gipsfiguren, Schrankaufsätze, Gardinen, Teppiche und Textiltapeten. Als Novum findet der Spiegel Eingang in die bürgerliche Wohnung.

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Bildende Kunst

Rembrandt van Rijn (1606–1669),  Selbstbildnis (1629).Niederländer hui, Italiener pfui – auf diese etwas vereinfachende Formel lässt sich der Kunstgeschmack des 18. Jahrhunderts bringen. Die Historiengemälde französischer Maler werden abgelöst durch Genrestücke, Stillleben und insbesondere Landschaften der Holländer und Flamen, wodurch der Kunstmarkt insgesamt einen enormen Aufschwung erfährt. Ab 1770 entwickeln sich Gemäldeauktionen zum wichtigsten Kunstumschlagsplatz. Rubens, van Dyck und Rembrandt wecken das Begehren der Sammler aus dem gehobenen Bürgertum, aber auch Werke von lokalen Meistern und anonymen Kopisten, die sich die „Holländermode“ zu Eigen machen.

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Theater

August von Kotzebue (1761–1819), Kupferstich von Friedrich Theodor Müller (1785). (Quelle: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Inventar-Nr. A 11476)Durch die Errichtung fester Hoftheater, die auch der Öffentlichkeit zugänglich sind, und städtischer Bühnen werden Laiendarsteller zunehmend durch professionelle Theaterensembles ersetzt. Dabei erfreut sich das Musiktheater (z. B. Mozart) besonderer Beliebtheit. Im Rahmen eines Nationaltheaterprojekts spielt und singt man – etwa am Weimarer Hoftheater oder Mannheimer Nationaltheater – in deutscher Sprache, allerdings überwiegend französische, englische und italienische Stücke. Die heutigen „Klassiker“ – Goethe, Schiller, Lessing – sind in ihrer Zeit wenig populär. Das Publikum möchte Lustspiele von August Wilhelm Iffland und August von Kotzebue sehen.

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Vergnügungen & Genüsse

Jean Siméon Chardin (1699–1779), Die Teetrinkerin (2. Drittel 18. Jahrhundert), (Quelle: Glasgow, Art Gallery and Museum)Kaffee oder Tee? Diese Frage stellte man in bürgerlichen Kreisen erst ab dem 18. Jahrhundert. Zuvor wurden diese Genussmittel – erst recht die teure Schokolade – nur vom Adel und an den Fürstenhöfen konsumiert.In Hamburg eröffnete bereits 1677 das erste Kaffeehaus. 1739 zählte man in London 551, in Wien rund 40 Kaffeehäuser. Diese waren Zentren der Geselligkeit und der Kultur. Sie waren zugleich Bibliotheken, Ausstellungsorte, Kunstauktions-, Theater- und Konzerthäuser. Hier wurden Zeitungen und Journale gelesen und Debatten geführt. Das Billard entwickelte sich zum Modespiel. Im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig musizierten die Collegia musica ab 1729 unter der Leitung von Johann Sebastian Bach.

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Architektur

Landhaus Jean Cesar IV. Goddefroy (1789–92, sog. „Hirschparkhaus“) von Christian Fredrik Hansen in Hamburg-Nienstedten.Die barocke Architektur zielt auf üppigen Prunk und Prachtentfaltung. Schwingende Formen symbolisieren Kraft und Bewegung; Kuppeln, Säulen und ornamentaler Schmuck (Stuck) spiegeln Reichtum und Macht der Herrscherhäuser wider. Im 18. Jahrhundert wird die strenge Symmetrie des Barock durch den Rokoko-Stil aufgebrochen. Man bevorzugt nun die heitere Leichtigkeit und verspielte Eleganz mit überbordenden Verzierungen. Der Übergang zum Klassizismus ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist markant: Geradlinige, klare Formen nach klassisch-antikem Vorbild (Säulengänge und -hallen) repräsentieren ein an politischen und wirtschaftlichen Einfluss gewinnendes Bürgertum.

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Philosophie

 Denis Diderot (1713–1784), Gemälde von Louis–Michel van Loo (1767). (Quelle: Wikipedia)Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter der Aufklärung, für die Immanuel Kant im Jahr 1784 eine einschlägige Begriffsbestimmung gibt: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Anstatt kritiklos den vorgegebenen Dogmen von Krone und Kirche, dem Aberglauben und der Tradition zu folgen, soll die Vernunft zum Motor menschlichen Handelns werden. Voraussetzung für vernünftige Urteile ist die Verfügbarkeit gesicherter Informationen, wie Diderot sie in seiner 35-bändigen „Enzyklopädie“ (1751–1780) einer breiten Leserschaft zugänglich macht.

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Politische und soziale Verhältnisse

Jean-Jacques-François Le Barbier, Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen (um 1789). (Quelle: Wikipedia? Paris, Musée Carnavalet)In der Zeit zwischen dem Ende des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) und dem ersten Koalitionskrieg gegen die Französische Revolution (1792/93–1797) erlebt Europa eine fast drei Jahrzehnte währende, seit dem Untergang des Römischen Weltreichs nie dagewesene Epoche des Friedens und Wohlstands. Die großen Hungersnöte gehören endgültig der Vergangenheit an, Industrie, Handel und Landwirtschaft florieren. Die Abschaffung der Todesstrafe wird diskutiert und teilweise umgesetzt. Reformen führen zu einem „aufgeklärten Absolutismus“, der die grundsätzliche Gleichberechtigung aller Menschen proklamiert und die Französische Revolution (1789–1799) anfangs aufrichtig begrüßt.

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