Carl Philipp Emanuel Bach als geistiger Zeitgenosse der Epoche von Aufklärung und Empfindsamkeit

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

„Im Umgange war er ein aufgeweckter munterer Mann voll Witz und Laune, heiter und fröhlich in der Gesellschaft seiner Freunde […]“1.

Daniel Chodowiecki (1726–1801), Die aufgeklärte Weisheit als Minerva schützt die Gläubigen aller Religionen, Daniel Chodowiecki (1791). (Quelle: Wikipedia)Carl Philipp Emanuel Bach war ein geselliger und humorvoller Mensch. Geselligkeit und Witz galten im Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit, in das sein Leben (1714–1788) fällt, als besondere Tugenden, deren Ausdruck von höfischer Galanterie bis zu politisch subversivem Witz reichen konnte. Sie begleiten so die sich im Zeichen der Aufklärung vollziehende kulturelle Emanzipation des deutschen Bürgertums, die aus höfischen Dienstverhältnissen fort zu bürgerlicher Selbständigkeit führte. Diese Bewegung findet sich beispielhaft auch in C. P. E. Bachs Lebensweg, der ihn nach anfänglichen Studien in Leipzig und dreißigjährigem Dienst am preußischen Königshof in Berlin (1738–68) schließlich in die aufstrebende bürgerliche Hansestadt Hamburg führte (1768–88). Selbst in dem eigenwilligen Charakter seiner Kompositionen kann man etwas vom Geist des sich seiner selbst – und seiner Gefühlswelt – bewusst werdenden Bürgertums erkennen. Mit dem Vorrang des Gefühlsausdrucks, den C. P. E. Bach für die Musik allgemein forderte und der sich in seiner eigenen so konsequent umgesetzt findet, erwies er sich ganz und gar als Zeitgenosse der Epoche der Empfindsamkeit. So nimmt es kaum Wunder, dass er am geistigen Leben seiner Zeit regen Anteil nahm und mit vielen Intellektuellen persönlich bekannt war.

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1. Aus einem anonymen Nachruf auf C. P. E.Bach vom 16.12.1788. – Vgl. Carl Hermann Bitter, Carl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedemann Bach und deren Brüder. Bd. 2, Berlin 1868, S. 124 f.