Bach als Geschäftsmann und Familienmensch

Auf eigenen Wegen – Stationen in Carl Philipp Emanuel Bachs Leben

Neben allem Anderen verfügte Bach über einen exzellenten Geschäftssinn und führte sehr genau über seine Einkünfte Buch. Die meisten seiner publizierten Werke wurden auch kommerziell ein Erfolg, was sicherlich daran lag, dass er sehr sorgfältig zu beurteilen wusste, welche Stücke sich verkaufen ließen und welche nicht: „Meine Sonaten und mein Heilig [Wq 217] gehen ab, wie warme Semlen, bey der Börse auf dem Naschmarkte, wo ich vordem mancher Mandel Pretzel den Hals gebrochen habe.“

Umschlag eines Geschäftsbriefes von Carl Philipp Emanuel Bach an Johann Gottlob Immanuel Breitkopf in Leipzig, Hamburg, 26. Juli 1788. (Quelle: Leipzig Bach-Archiv Leipzig, Sign. Kulukundis I.3 26.07.1788)

So hart wie er Pekuniäres verhandeln konnte, so freigiebig war er zumeist, wenn es darum ging, Freunde und Familienmitglieder zu unterstützen, indem er ihnen etwa Kopien seiner gedruckten Werke oder nicht mehr benötigte Autographe zukommen ließ. Die Familie scheint in seinem Leben immer einen besonderen Stellenwert gehabt zu haben: Nach dem Tod des Vaters nahm er seinen Halbbruder Johann Christian (1735–1782) zu sich nach Berlin und gewährte ihm die notwendige musikalische Ausbildung, die so jäh durch den Tod des Vaters abgebrochen worden war. Später war es dann sein Bückeburger Neffe Wilhelm Friedrich Ernst (1759–1845), den er in seinem Hause aufnahm und ihm Unterricht gab. Wer in der Familie Not litt, konnte zumeist auf finanzielle Unterstützung hoffen, so seine Schwester und deren Mann. Was das Verhältnis zu Wilhelm Friedemann Bach betrifft, so muss man annehmen, dass kein besonders herzlicher Kontakt bestand. Während darüber jedwede Mitteilung aus Carl Philipp Emanuels eigenen Feder fehlt, spricht ein Brief Kirnbergers an Forkel eine deutliche Sprache: „Folglich geht es ihm [Wilhelm Friedemann] jetzt ganz erbärmlich, componieren wie auch Lection geben mag er nicht, und sein Herr Bruder in Hamburg will auch von ihm nichts wissen, weil nichts bey ihm angewendet ist, wenn er ihm auch noch so viel schicken wollte, welches er schon öfter getahn hat, ohne dafür Dank zu haben.“

Weiterhin weiß man, dass Bach die Londoner Kompositionen seines jüngsten Halbbruders und Berliner Schülers Johann Christian eher abfällig beurteilte.

Carl Philipp Emanuel Bach an Johann Nikolaus Forkel in Göttingen, Hamburg, 13. Januar 1775. (Quelle: Leipzig, Bach-Archiv Leipzig, Sign. Kulukundis I.3 13.01.1775)Tradition, Andenken und Pflege des Bachschen Familienerbes lagen von allen Brüdern Carl Philipp Emanuel am meisten am Herzen. Mit besonderem Engagement widmete er sich dem väterlichen musikalischen Erbe und versuchte es vor Zerstreuung zu bewahren; das galt nicht nur für sein eigenes Erbteil, sondern mindestens auch für das seiner Halbbrüder Johann Christian und Johann Christoph Friedrich, von denen er Autographe des Vaters übernahm. Er selbst schien mit dem Ergebnis seiner Bemühungen, das musikalische Erbe des Vaters zusammenzuhalten, allerdings nicht zufrieden gewesen zu sein, als er resigniert an Forkel schrieb: „Es ist ärgerlich, daß die Sachen vom Seeligen Vater so herumflattern, ich bin zu alt u. zu sehr beschäftigt um sie zusamen zu treiben.“

Zahlreiche Werke Johann Sebastians – darunter das Credo der h-Moll-Messe – wurden in Hamburg aufgeführt. Bemerkenswert ist auch seine beträchtliche Sammlung von nahezu 400 Porträts vor allem von Musikern, Dichtern, Theologen der Vergangenheit und Gegenwart – mit der er wohl auch eine Familientradition des Vaters fortsetzte. Im Nachlassverzeichnis (1790) ist eine Liste veröffentlicht, anhand derer man diese beeindruckende Kollektion vor kurzem in der Gesamtausgabe (Complete Works) weitgehend rekonstruieren konnte. Charles Burney beschreibt den Eindruck der Hamburger Wohnung der Familie Bach: „Den Augenblick, da ich ins Haus trat, führte er mich die Treppe hinauf in ein schönes, großes Musikzimmer, welches mit mehr als hundertundfünfzig Bildnissen von großen Tonkünstlern, teils gemalt, teils in Kupfer gestochen, ausgeziert war. Ich fand darunter viele Engländer und unter anderen auch ein paar Originalgemälde von seinem Vater und Großvater.“

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