Schüler- und Studentenzeit in Leipzig (1723–1734)

Auf eigenen Wegen – Stationen in Carl Philipp Emanuel Bachs Leben

Kupferstich der Thomaskirche in Leipzig

Bereits in jungen Jahren erhielt er Klavier- und Orgelunterricht durch seinen Vater. Einige seiner frühsten Klavierkompositionen sind neben denen seines älteren Bruders Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784) aus den Jahren 1730/1731 im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach (1725) festgehalten. Man muss aber davon ausgehen, dass aus der Leipziger Zeit vieles von Carl Philipp Emanuel selbst vernichtet wurde.

Mit 15 Jahren wirkte er bereits regelmäßig an den Aufführungen seines Vaters mit, sowohl in den Kirchen als auch im Collegium Musicum. Ab 1729 war er auch als Kopist für ihn tätig. Dass sich Carl Philipp Emanuel dann Anfang Oktober 1731 an der Universität Leipzig als Jura-Student immatrikulierte, ist für Musiker dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Auf diesem Wege eröffnete er sich durch eine fundierte Ausbildung die Chance, später bei Hofe höhere Positionen besetzen zu können. Vater Johann Sebastian achtete stets darauf, dass seine Söhne ungeachtet ihres musikalischen Talents umfassend gebildet waren. Durch ihre Mitwirkung im vorwiegend studentischen Collegium musicum konnten sich die Brüder zudem einem breiten – und zu Messezeiten auch internationalen – Publikum als Virtuosen am Klavier präsentieren.

Um 1733/1734 komponierte er die Kantate Ich bin vergnügt mit meinem Stande – sein frühestes überliefertes Vokalwerk, das erst jüngst wiederentdeckt wurde. Von nun an vergeht kein Jahr im Leben Carl Philipp Emanuels, in dem er nicht eine Vielzahl neuer Werke verschiedenster Gattungen komponiert. Die Anregungen dazu erhielt er nicht allein durch die musikalische Ausbildung bei seinem Vater. Auch das reiche Leipziger Musikleben verschaffte dem jungen Komponisten zahlreiche inspirierende Momente: „Von Jugend an“ habe er „das besondre Glück gehabt“, schreibt Bach selbst, „das Vortreflichste von aller Art von Musik zu hören und sehr viele Bekanntschaften mit Meistern vom ersten Range zu machen, und zum Theil ihre Freundschaft zu erhalten. In meiner Jugend hatte ich diesen Vortheil schon in Leipzig, denn es reisete nicht leicht ein Meister in der Musik durch diesen Ort, ohne meinen Vater kennen zu lernen und sich vor ihm hören zu lassen“ (Autobiographie, bei Charles Burney in seinem Tagebuch einer musikalischen Reise (1773) veröffentlicht).

» Weiter: Wechsel nach Frankfurt (Oder) (1734–1738)