Grabplatte von C. P. E. Bach in Hamburg (Quelle: Hamburg, Kirchengemeinde St. Michaelis)

Tod und Nachruhm

Auf eigenen Wegen – Stationen in Carl Philipp Emanuel Bachs Leben

Carl Philipp Emanuel Bach starb mit 74 Jahren in Hamburg an einer „Brustkrankheit“, die nicht näher spezifiziert wird, und wurde fünf Tage später in der Krypta der Michaeliskirche beigesetzt. Auch nach seinem Tod wurde er hochverehrt – vor allem von den Komponisten der nachfolgenden Generationen eines Haydn, Mozart und Beethoven. Als Mozart 1788 – also kurz vor Carl Philipp Emanuels Tod – dessen Oratorium Auferstehung und Himmelfahrt Jesu in Wien aufführt, erfährt der abwesende Hamburger Komponist noch einmal eine außergewöhnliche Ehrung: „ In der Aufführung am 4ten März ließ der Hr. Graf [van Swieten] das in Kupfer gestochene Bildniß des Hrn. Capellmeist. Bach im Saale herumgehen. Die anwesenden Fürstinnen und Gräfinnen und der ganze sehr glänzende Adel bewunderten den großen Componisten, und es erfolgte ein hohes Vivat, und eine dreyfache, laute Beyfallsbezeugung. “

Durch seine Werke, aber auch durch seine musikalische Haltung, die im Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen zum Ausdruck kommt, wird er als der bedeutendste Vertreter der Übergangsepoche zwischen Spätbarock und der Wiener Klassik angesehen. Er prägte – nicht nur durch eine große Zahl an Schülern in Frankfurt, Berlin und Hamburg – die nachfolgenden Generationen nachhaltiger, als uns heute bewusst ist. Bachs Dictum aus dem Versuch, dass man „ aus der Seele oder Empfindung die Finger gleichsam reden lassen “ müsse, „ um den Zuhörer in die Leidenschaft zu versetzen, die der Komponist zu erregen gesucht hat “, beansprucht zeitlose Gültigkeit – und kann somit weit über die lange vernachlässigte Epoche der „Empfindsamkeit“ hinaus bis heute stilbildend sein.

 

Gedenktafel unter der Nordempore (Musikempore) der St. Michaeliskriche in Hamburg. (Quelle: Städtenetzwerk C. P. E. Bach * 1714).

I.
Karl Philipp Emanuel Bach,
Sebastians Sohn,
wurde in Weimar gebohren,
zu der Friede der Einwohner:
denn sie wußten,
daß in diesem Geschlecht
die Gabe der Musik erblich sey.
Wie die gute Vorbedeutung eintraf,
höret ihr überall
und leset es auch
an seiner Urne in Hamburg,
wo er starb.

II.
Steh hier nicht still, Nachahmer,
Denn du mußt erröthen, wenn du bleibest,
Karl Philipp Emanuel Bach,
der tiefsinnige Harmonist,
vereinte die Neuheit mit der Schönheit,
war groß
in der vom Worte geleiteten Musik
größer
in der kühnen, wortlosen,
übertraf den Erfinder der Musik:
denn er erhob die Kunst des Spiels,
durch die Lehre und Ausübung,
bis zu dem Vollendeten

Geb. 1714
Gest. 1788

Friedrich Gottlieb Klopstock, zwei Inschriften für Denkmäler in Weimar (I) und in der St. Michaeliskirche in Hamburg (II), in: Allgemeine Musikalische Zeitung 2 (1799/1800), Sp. 421 f.

Ruprecht Langer, Dr. Christine Blanken, Dr. Christiane Hausmann

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Die verwendeten Zitate sind zu finden in:

Carl Philipp Emanuel Bach, Briefe und Dokumente, Kritische Gesamtausgabe, hrsg. von Ernst Suchalla, 2 Bde., Göttingen 1994 (= Veröffentlichung der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg 80, 1/2).

Charles Burney, The Present State of Music in Germany, the Netherlands, and the United Provinces, London 1773; deutsch als: Carl Burney's der Music Doctors Tagebuch seiner Musicalischen Reisen. Bd. 3, Durch Böhmen, Sachsen, Brandenburg, Hamburg und Holland, Hamburg 1773.