Hamburger Freimaurer, Philanthropen und musische Wissenschaftler

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Wie in seiner Berliner Zeit Anschluss an aufklärerisch und fortschrittlich denkende Kreise zu finden, stellte für C. P. E. Bach in Hamburg keine Schwierigkeit dar – er konnte sie gleich in der Nachbarschaft finden: In der Fuhlentwiete, gelegen in der Hamburger Neustadt, wohin Bachs Familie 1769 gezogen war, wohnte auch Johann Georg BÜSCH (1723–1800). Der Mathematikprofessor und Wirtschaftstheoretiker verlegte die 1768 von ihm mitbegründete Handelsakademie zeitweise in sein geräumiges, gastfreundliches Haus, das zudem als eines der geistigen Zentren der Stadt galt. Büsch, ein Freimaurer und wahrer Philanthrop, der eine Krankenkasse und ein medizinisches Institut für Bedürftige gründete, war eine typische Erscheinung des Aufklärungszeitalters mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen. Vielleicht hat Bach seine Zwölf Freymaurer-Lieder (Wq 202/N) in seinem Todesjahr für Büsch geschrieben.

Johann Georg Büsch (1728–1800), Kupferstich von Christian Schule (1798). (Quelle. Wikipedia)Büsch war aber auch Musikliebhaber, und so war sein Haus, in dem täglich musiziert wurde, ein Anziehungspunkt für Musiker. Hier schloss Bach rasch Bekanntschaft mit dem vom Sturm und Drang beeinflussten Komponisten und Musikschriftsteller Johann Friedrich REICHARDT (1752–1814), dem Historiker und Bibliothekar Christoph Daniel EBELING (1741–1817), der gelegentlich sein Textdichter werden sollte, und dem Verleger Johann Joachim Christoph BODE (1731–1793).

Andere neue Freunde Bachs in Hamburg waren die Ärzte Johann Christoph UNZER (1747–1799) und Johann Albert Heinrich REIMARUS (1729–1814). Alte Freunde aus der Berliner Zeit, die Bach in Hamburg wiedertraf, waren Lessing und Georg Anton (Jiři Antonin) BENDA. Er war 1778 als Kapellmeister an das Hamburger Theater am Gänsemarkt verpflichtet worden51.

 

Matthias Claudius (1740–1815), Gemälde  Friederike Leisching zugeschrieben (um 1797). (Quelle: Wikipedia)Und schließlich gab es Freunde, die von Bachs Berühmtheit angezogen wurden, und deren Zudringlichkeit ihm lästig werden konnte. Das trifft wohl auf Matthias Claudius (1740–1815, „Der Wandsbecker Bote“) zu,52 vor dem er sich wiederholt verleugnet haben soll.

 

 

 

 

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51. Hans-Günther Ottenberg, Bach, S. 204 f.

52. Dorothea Schröder, Bach, S. 63 und Heinrich Miesner, Bach, S. 39.