Zwei Epitaphe vom Dichterfürsten Klopstock

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), Kupferstich von Johann Heinrich Klinger (1789 ) nach einem Gemälde von Jens Juel (1780).  (Quelle: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Inventar-Nr. A 11130)Zu den neuen Freunden C. P. E. Bachs in Hamburg gehörte der Dichter FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK (1724–1803), der selbst bereits seit 1770 in der Hansestadt lebte. Die Bekanntschaft zwischen Bach und Klopstock dürfte durch die Sängerin Johanna Elisabeth VON WINTHEM (1747–1792), genannt die „Windeme“, angebahnt worden sein. Ihr Haus, in dem sie mit Klopstock zusammen wohnte – sie sollte später (1791) Klopstocks zweite Ehefrau werden – war wie dasjenige Bachs ein beliebter Musiker-Treffpunkt in Hamburg.58

Klopstock, der, mehr noch in seinen wortgewaltigen Oden als in dem seinerzeit berühmten Versepos „Der Messias“, der deutschen Sprache völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten erschloss, war ein echter Geistesverwandter Bachs. Bach ließ sich von ihm überreden, sein 1769 entstandenes Oratorium Die Israeliten in der Wüste (Wq 238) im Druck erscheinen zu lassen und komponierte 1783 Klopstocks Morgengesang am Schöpfungstage (Wq 239) als Kantate für zwei Soprane, Chor und Orchester.

Nach seinem Tod erhielt Bach, der später einmal als ein „Klopstock, der Töne statt Worte gebrauchte“ gepriesen wurde59, von seinem Dichterfreund Klopstock gleich zwei Epitaphe für geplante Denkmäler in den Städten Hamburg und Weimar. Keins von beiden ist bisher errichtet worden.

 

Knut von Maydell (Hamburg)

 


58. Ebd., S. 36 f.

59. Johann Karl Friedrich Triest, Bemerkungen über die Ausbildung der Tonkunst in Deutschland im achtzehnten Jahrhundert. In: Allgemeine Musikalische Zeitung 3 (1800/01), Sp. 300 f.