Silbermanns silbrige Clavichord-Klänge

C. P. E. Bach begann seine musikalische Laufbahn als Hofcembalist. Das Cembalo galt vor der Einführung des Fortepianos in den 1740er Jahren als das maßgebliche Tasteninstrument für Kammermusik. Sein Nachteil war jedoch, dass es keine spieltechnische Möglichkeit zur dynamischen Differenzierung des Klanges erlaubte. Allein schon der Name seines Nachfolgers spielte auf die technische Neuerung an, die er aufwies: Forte-piano (laut-leise). C. P. E. Bach hat den historischen Wandel in der Musik 1788 in einem Doppelkonzert für Cembalo, Hammerklavier und Orchester (Wq 47) sogar thematisiert – ein Unikum der Musikgeschichte.


Clavichord aus der Werkstatt von Orgelbauer Gottfried Silbermann (um 1750). (Quelle: Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen)

Doch bereits seit dem Mittelalter gab es ein Tasteninstrument, das ebenfalls eine dynamische Klangdifferenzierung und sogar das „Beben“ einzelner Töne ermöglichte: das Clavichord. Sein besonders feiner, silbriger Klang erfreute sich in der Epoche der Empfindsamkeit, wieder großer Beliebtheit. Besonders begehrt waren Instrumente aus der Manufaktur Gottfried SILBERMANNS (1683–1753) aus der berühmten Orgelbauer-Familie. Friedrich II. ließ alle seine Instrumente aufkaufen, und auch C. P. E. Bach besaß eines, wahrscheinlich sogar schon vor seiner Zeit am Preußischen Königshof.53 C. P. E. Bachs vielgerühmte Improvisationskünste dürften sich nicht zuletzt auf seine meisterhafte technische Beherrschung des Clavichord-Klanges gegründet haben. Um so überraschender ist es, dass Bach sein geliebtes Clavichord 1781, wenige Jahre vor seinem Tod, an einen jungen Adligen aus Kurland verschenkte – freilich nicht, ohne ihm mit einem Rondo ein musikalisches Denkmal zu setzen: Abschied von meinem Silbermannischen Clavier (Wq 66).54

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53. Dorothea Schröder, Bach, S. 88.

54. Ebd., S. 89 f.