Die vertonten Oden des Poesie-Professors Gellert

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769), Gemälde von Gottfried Hempel (1752). (Quelle: Wikipedia)Nachdem er zuvor bereits Lieder zu einem Sammelband beigetragen hatte (Oden mit Melodien, 1753), erschien 1758 die erste Liedersammlung C. P. E. Bachs unter eigenem Namen: Herrn Professor Gellerts geistliche Oden und Lieder mit Melodien (Wq 194). Nicht weniger als 55 Oden Gellerts hatte Bach vertont. Der Riesenerfolg dieser Sammlung – allein zu Bachs Lebzeiten erschienen fünf Auflagen –, der Bach schlagartig zu einem der angesehensten Liedkomponisten Deutschlands machte,40 dürfte sich auch durch die Popularität Gellerts erklären.

Johann Fürchtegott GELLERT (1715–1769) war zu der Zeit der beliebteste Dichter in Deutschland. Seine Fabeln und Erzählungen, die ihm den Ruf eines deutschen La Fontaine einbrachten, waren in Deutschland nach der Bibel das meistverbreitete Buch des 18. Jahrhunderts. Selbst bei Friedrich II., der an der deutschen Literatur später kein gutes Haar ließ (De la littérature allemande, 1780), fand es Anklang. Der Erfolg des Aufklärers Gellert, der seit 1751auch Professor für Poesie, Rhetorik und Ethik an der Universität Leipzig war, beruhte auf der geschickten Verbindung von pietistischer Frömmigkeit und moralischer Belehrung mit Humor, die seine Dichtungen auszeichnet. Damit traf er genau die Tugendvorstellungen des aufgeklärten Bürgertums.

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40. Hans-Günther Ottenberg, Bach, S. 131.