Die Musikerfamilie Bach und Carl Philipp Emanuels komponierende Brüder

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784), Punktierstich eines unbekannten Meisters (1751).  (Quelle: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Inventar-Nr. A 743)Die Bachs waren eine ausgesprochen musikalische Familie. Selbst ANNA MAGDALENA BACH (1701–1760), die zweite Frau Johann Sebastian Bachs, war Sängerin am Hof in Köthen gewesen, bevor sie dort 1721 Johann Sebastian ehelichte. Das Clavier-Büchlein vor Anna Magdalena Bachin. ANNO 1722, das Bach seiner erst zwanzigjährigen Ehefrau widmete, zeigt, dass Anna Magdalena auch als Instrumentalistin begabt war. Ob sie über der Wahrnehmung ihrer Mutterpflichten viel zum Musizieren gekommen ist, sei dahingestellt. Von den dreizehn (!) Kindern, die sie im Verlauf der Ehe zur Welt brachte – nur sechs von ihnen überlebten die Mutter – wurden aus zweien ihrer Söhne, JOHANN CHRISTOPH FRIEDRICH (1732–1795) und JOHANN CHRISTIAN (1735–1782), berühmte Komponisten. Die anderen beiden komponierenden Bach-Söhne, WILHELM FRIEDEMANN (1710–1784) und Carl Philipp Emanuel stammten mit zwei weiteren Geschwistern aus Bachs erster Ehe. Damit hat man eine Vorstellung vom musikalischen Kinderreichtum innerhalb der Familie.

Für seinen ersten musikalisch begabten Sohn hatte Bach eigens ein Lehrwerk, das Clavierbüchlein vor Wilhelm Friedemann Bach, verfasst, nach dem Carl Philipp Emanuel selbst wohl ebenfalls das Klavierspiel erlernt hat.5 Die Bach-Söhne sollten nach den Vorstellungen ihres Vaters keine oberflächlichen Virtuosen werden, sondern die Musik und das Komponisten-Handwerk gründlich lernen.6

Alle vier komponierenden Bach-Söhne erlangten zu Lebzeiten größere Berühmtheit als ihr Vater, dessen Musik erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Nach ihren jeweiligen Wohn- und Wirkungsorten wurde Wilhelm Friedmann der „Hallesche Bach“, Carl Philipp Emanuel der „Berliner oder Hamburger Bach“, Johann Christoph Friedrich der „Bückeburger Bach“ und Johann Christian schließlich der „Mailänder, Londoner oder englische Bach“ genannt.7 Neben C. P. E. Bach selbst, der – von Christian Daniel Friedrich SCHUBART (1739–1791) und anderen als „Originalgenie“ gefeiert – im 18. Jahrhundert üblicherweise gemeint war, wenn vom „großen Bach“ die Rede war,8 war es vor allem der jüngste Bruder, Johann Christian Bach, der Musikgeschichte schrieb. Fünfzehnjährig beim Tod des Vaters, kam Johann Christian 1750 nach Berlin unter die Obhut Carl Philipp Emanuels, der ihn gründlich im Klavierspiel unterwies. Doch Johann Christian verfiel auch der unter dem Einfluss von Johann Adolf HASSE (1699–1783) grassierenden Neo-Neapolitanischen Italien-Mode, die an der Berliner Oper vorherrschte,9 und reiste nach nur fünf Jahren nach Italien. Dort wurde er Schüler des bedeutenden Musiktheoretikers Giovanni Battista, genannt PADRE MARTINI (1706–1784) und begründete in Neapel seinen europäischen Ruhm als Opernkomponist. Im Entstehungsjahr einer seiner erfolgreichsten Opern, Allesandro nell ’Indie (1762), jedoch verließ er Italien in Richtung London, wo er Komponist und Kapellmeister am King’s Theatre wurde. Und hier begegnete ihm zwei Jahre später das erst achtjährige musikalische Wunderkind Wolfgang Amadeus MOZART (1756–1791), dessen Musik nach eigenem Bekunden ohne den prägenden Eindruck, den die Musik des „Londoner Bachs“ bei ihm hinterließ, nicht dieselbe gewesen wäre. Doch auch für C. P. E. Bach, Johann Christians Berliner Lehrmeister, fand Mozart, einem Zeugnis Johann Friedrich Rochlitz’ zufolge, lobende Worte: „Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns ’was Rechts kann, hat von ihm gelernt [...]“10.

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 5. Hans-Günther Ottenberg, Bach, S. 17 f.

 6. Dorothea Schröder, Carl Philipp Emanuel Bach, S. 20.

 7. Peter Rummenhöller, Die musikalische Vorklassik, München/Kassel 1983, S. 63.

 8. Hans-Günther Ottenberg, Bach, S. 9.

 9. Peter Rummenhöller, Vorklassik, S. 70.

10. Friedrich Rochlitz, Für Freunde der Tonkunst. Bd. 4, Leipzig 1832, S. 309.