Potsdam und Schloss Sanssouci

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Als Friedrich 1740 König von Preußen wurde, zog er von Rheinsberg zunächst nach Berlin ins Schloss Charlottenburg. Doch die Erinnerung an Rheinsberg, seine „glücklichsten Jahre“20, ließ ihn nicht los, und so entstand in Potsdam, wohin Friedrich den Regierungssitz verlegte, mit dem Weinbergschloss Sanssouci 1744 eine Art zweites Rheinsberg, das Friedrich ab 1746 dauerhaft als Sommerresidenz diente. Grundlage der Planungen seines Architekten von Knobelsdorff waren eigenhändige Skizzen Friedrichs.21 Dieselbe hartnäckige Kontrolle, die Friedrich beim Ausbau Potsdams zur spätbarocken Prachtstadt mit zahlreichen Anspielungen auf italienische Vorbilder zeigte, prägte zunehmend auch das königliche Musikleben in Sanssouci und an der Berliner Oper. Die Rheinsberger Heiterkeit stellte sich nicht wieder ein. C. P. E. Bach befand sich als musikalischer Progressist, wenn auch geachtet von Friedrich für seine Cembalokünste, inmitten des konservativen musikalischen Klimas am Königshof auf verlorenem Posten. Adolf Menzels berühmtes Gemälde Flötenkonzert Friedrichs II. in Sanssouci (1850–52) bringt in psychologisch subtiler Ausführung die Langeweile des Komponisten allein in dessen Körperhaltung zum Ausdruck.22 Als C. P. E. Bach Berlin verließ, war die europäische Musikstadt hinter Wien, Paris und London zurückgefallen.23 Charles Burney konnte sich anlässlich eines Berlin-Besuchs 1772 süffisanter Spitzen gegen die Zopfigkeit des Berliner Musiklebens nicht enthalten: „In Ansehung aber des allgemeinen und Nationalgeschmacks in der Komposition und Spielart, scheint es itzt so sehr nach einem Muster gebildet, daß es alles was Erfindung und Genie heißt, ausschließt.“24

Johann Friedrich Meyer: Blick vom Brauhausberg auf Sanssouci (1772). (Quelle: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, GK I 10184)

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20. Tom Goeller, Der alte Fritz, S. 115.

21. Paul Sigel/Silke Dähmlow/Frank Seehausen/Lucas Elemenhorst, Architekturführer Potsdam, Berlin 2006, S. XII.

22. Peter Rummenhöller, Vorklassik, S. 60.

23. Marc Vignal, Bach-Söhne, S. 69.

24. Charles Burney, Tagebuch, S. 173.