Prinzessin Anna Amalie und C. P. E. Bach

Carl Philipp Emanuel Bach – Menschen und Orte

Prinzessin Anna Amalie von Preußen (1723–1787 ), Gemälde von Antoine Pesne (vor 1757). (Quelle: Wikipedia)Im Unterschied zu Friedrich schätzte dessen jüngste Schwester, PRINZESSIN ANNA AMALIE VON PREUSSEN (1723–1787), die ebenfalls selbst komponierte und eine umfangreiche Musikaliensammlung besaß, C. P. E. Bachs Kompositionen sehr. Das betrifft insbesondere seine sakralen Vokalwerke wie die Israeliten in der Wüste (Wq 238), das Magnificat (Wq 215) oder das berühmte Heilig (Wq 217). Die musikalischen Nachlässe der an ihrem Hof wirkenden Komponisten Johann Philipp KIRNBERGER (1721–1783) und Christoph SCHAFFRATH (1709–1763) enthalten zahlreiche Kopien von Kompositionen C. P. E. Bachs, was auf eine rege Aufführungspraxis seiner Werke am Hof Anna Amaliens schließen lässt.25 Anna Amalie verdankt Bach auch den Ehrentitel eines Kapellmeisters, den sie ihm vor seinem Wechsel nach Hamburg noch verlieh.26

In der Wertschätzung der Musik Johann Sebastian Bachs wenigstens dürften sich Friedrich, Anna Amalie und C. P. E. Bach einig gewesen sein. Als der Leipziger Thomaskantor 1747 Friedrich II. einen Besuch in Potsdam abstattete, ließ Friedrich ihn über ein von ihm vorgegebenes Thema eine sechsstimmige Fuge improvisieren, das später in das Ricercare von Bachs Musicalischen Opfer einging. Damit hätte sich Friedrich II. abseits seiner eigenen leichtgewichtigen Kompositionen nachdrücklich in die Musikgeschichte eingeschrieben.27 C. P. E. Bach hingegen unternahm 1751 als Ausdruck seiner Wertschätzung die erste Ausgabe von der Kunst der Fuge seines Vaters, während die Musikaliensammlung Anna Amaliens mit ihren zahlreichen Kompositionen Johann Sebastian Bachs die Grundlage für die bereits Ende des 18. Jahrhunderts einsetzende Renaissance von dessen Musik bildete.28

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25. Hans-Günther Ottenberg, Bach, S. 283.

26. Charles Burney, Tagebuch, S. 200.

27. Peter Rummenhöller, Vorklassik, S. 54 f.

28. Josef Johannes Schmid, Friedrich der Große. S. 34.