Der väterliche Nachlass

19. Juli 2014

Johann Sebastian Bach starb am 28. Juli 1750 in Leipzig. Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Friedrich Agricola verfassten gemeinsam den Nekrolog für Lorenz Christoph Mizlers Musikalische Bibliothek, Leipzig 1754, in dem es über die letzten Monate von Johann Sebastian Bachs Leben heißt:

 Titelblatt aus dem Nachlassverzeichnis, Hamburg 1790; Wiedergabe der Abbildungen nach dem Reprint, hrsg. von William S. Newman, Buren: Frits Knuf Publishers, 1991.„Sein von Natur etwas blödes Gesicht, welches durch seinen unerhörten Eifer in seinem Studiren, wobey er, sonderlich in seiner Jugend, ganze Nächte hindurch saß, noch mehr geschwächet worden, brachte ihm, in seinen letzten Jahren, eine Augenkrankheit zu Wege. Er wolte dieselbe […] durch eine Operation heben lassen. Doch diese, ungeachtet sie noch einmal wiederholet werden mußte, lief sehr schlecht ab. Er konnte nicht nur sein Gesicht nicht wieder brauchen: sondern sein, im übrigen gesunder Cörper, wurde auch zugleich dadurch, und durch hinzugefügte schädliche Medicamente, und Nebendinge, gäntzlich über den Haufen geworfen: so daß er darauf ein völliges halbes Jahr lang, fast immer kränklich war.

Zehn Tage vor seinem Tod schien es sich gähling mit seinen Augen zu bessern; so daß er einsmals des Morgens ganz gut wieder sehen, und auch das Licht wieder vertragen konnte. Allein wenige Stunden darauf, wurde er von einem Schlagflusse überfallen; auf diesen erfolgte ein hitziges Fieber, an welchem er, ungeachtet aller möglichen Sorgfalt zweyer der geschicktesten Leipziger Aerzte, am 28. Julius 1750, des Abends nach einem Viertel auf 9 Uhr, im sechs und sechzigsten Jahre seines Alters, auf das Verdienst seines Erlösers sanft und seelig verschied.“

Der damals 15 jährige Johann Christian wohnte zunächst bei seinem Bruder in Berlin. Carl Philipp Emanuel sorgte für ihn und unterrichtete ihn ebenfalls im Klavierspiel. Im Jahre 1754 reiste Johann Christian nach Italien, um sich beruflich zu orientieren.

Johann Sebastian Bachs Nachlass umfasste neben Bargeld, Hausrat, Kleidung, Möbel und Instrumente, bestehend aus acht Cembali, einem Spinett, einer Laute, mehreren Streichinstrumenten und zwei Lautencembali. Die größte Nachlassposition war freilich Bachs Musikbibliothek, die sich vor allem aus Musikalien, Drucken wie Handschriften, sowie musiktheoretischen Werken zusammensetzte.

Seite 72 aus dem Nachlassverzeichnis, Hamburg 1790; Wiedergabe der Abbildungen nach dem Reprint, hrsg. von William S. Newman, Buren: Frits Knuf Publishers, 1991.Den Großteil der Noten erbten Carl Philipp Emanuel und sein vier Jahre älterer Bruder Wilhelm Friedemann. Das väterliche Erbgut ist durch seinen zweitgeborenen Sohn weitgehend geschlossen auf uns gekommen. Jahrzehnte später gibt das Verzeichniß des musikalischen Nachlasses des verstorbenen Capellmeisters Carl Philipp Emanuel Bach (Hamburg 1790) Auskunft über die von Philipp Emanuel Bach geerbten Werke.

Neben dem sogenannten „Altbachischen Archive“ mit Werken der älteren komponierenden Mitglieder der Bach-Familie umfasst der Nachlass an Kompositionen Johann Sebastian Bachs mehr als 160 Positionen, darunter zahlreiche Kantaten und zentrale Bachsche Werke wie das Wohltemperierte Clavier Teil II, die Kunst der Fuge, das Weihnachtsoratorium, die Johannes- und Matthäus-Passion, das Magnificat und die „große catholische Messe“, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

AS