Ein Jahr – ein Leben

8. März 2014

Es gab Zeiten im 18. Jahrhundert, da war der Sohn berühmter als sein Vater. Sprach man in den 1770-er Jahren vom „großen Bach“, dann wurde fast immer Philipp Emanuel, der zweitgeborene Sohn aus der Ehe des Thomaskantors mit Maria Barbara Bach gemeint. Doch kurze Zeit nach dem Tod des „Hamburger Bachs“, wie auch der Bach-Sohn nach seinem letzten Wirkungsort genannt wurde, kehrte sich das Verhältnis in der Wertschätzung beider Musiker gänzlich um.

Spätestens seit der legendären Wiederaufführung der Bachschen Matthäus-Passion durch Felix Mendelssohn Bartholdy in Berlin im Jahre 1829 war Johann Sebastian fest und dauerhaft im kulturellen Bewusstsein der Menschen verankert, während die Werke seines Sohns zunehmend in Vergessenheit gerieten.

Auch wenn sich seit etwa zwanzig, dreißig Jahren die künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit Carl Philipp Emanuel Bach intensiviert hat, Konzerte und Tonträger auf diesen bedeutenden Musiker aufmerksam machen, ist in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenig über den Bach-Sohn bekannt.

„Noch mehr Bach …“ möchte dazu anregen, sich in diesem Jahr regelmäßig mit diesem „Originalgenie“ auseinanderzusetzen. In über vierzig wöchentlich erscheinenden Porträts begleitet dieser Blog beginnend mit dem achten März diesen Musiker durch sein ganzes Leben und darüber hinaus. Denn dieser Komponist, der sowohl Haydns, wie auch Mozarts und Beethovens Wertschätzung genoss, hat seine Faszination bis heute nicht verloren.

Collage verschiedener Darstellungen CPE Bachs aus drei Jahrhunderten

Collage verschiedener Darstellungen CPE Bachs aus drei Jahrhunderten

Carl Philipp Emanuel Bach interessiert uns nicht nur als Musiker, sondern auch als Mensch, in dessen sich Leben die ganze Vielfalt seiner Zeit widerspiegelt. Wussten Sie, dass Bach nahezu drei Jahrzehnte lang den Preußenkönig Friedrich den Großen auf der Flöte begleitete und sich ein Freund Lessings und Klopstocks nennen durfte? Wir werden den innovativen Komponisten, der mehr als vierhundert Klavierwerke, annähernd fünfzig Konzerte und ein Dutzend Sinfonien sowie drei große Oratorien geschaffen hat, ebenso kennenlernen wie den passionierten Kunstsammler, dessen Hamburger Wohnung mit hunderten Musikerbildnissen ausgeschmückt war. Auch der „private“ Bach wird uns beschäftigen. Besucher seiner Wohnung schätzten übereinstimmend dessen Gastfreundschaft und lobten das köstliche „braune Bier“ und den Wein, der gereicht wurde. Immerhin war Bach mit der Tochter eines Weinhändlers verheiratet. Kurz: Wir möchten mit Ihnen Woche für Woche auf den Spuren jenes Musikers wandeln, von dem Mozart sagte: „Er ist der Vater, wir sind die Bub’n. Wer von uns ‘was Rechts kann, hat von ihm gelernt.“

In einer Woche, liebe Musikfreunde, hören wir wieder voneinander und freuen uns auf „Noch mehr Bach …“!

Ihre
Studierenden des Lehrstuhls für Historische Musikwissenschaft an der Technischen Universität Dresden

Holly Brown (HB), Carlos Lozano Fernández (CLF),
Anna Schneider (AS), Clara Michal Steinau (CMS)
Betreuender Professor: Hans-Günter Ottenberg (HGO)