Glanzlichter der höfischen Musikmetropole Berlin

17. Mai 2014

Im Jahre 1738, zwei Jahre vor dem Tod Friedrich Wilhelms I, erhielt Philipp Emanuel ein Angebot, um als Cembalist in der Kapelle des Kronprinzen Friedrichs im Schloss Rheinsberg zu arbeiten. Der angehende Musiker kommt zu einem Zeitpunkt nach Berlin, als sich gravierende Veränderungen in der preußischen Metropole vollziehen.

Ansicht der Königlichen Oper (heute Staatsoper) in Berlin um 1750, Kupferstich von Johann Georg Fink (Quelle: Deutsche Fotothek, Foto: Lydia Pokoj, 2009)

Nach dem Tod seines Vaters im Mai 1740 bestieg Friedrich den Thron und Philipp Emanuel wurde fest als Kammercembalist der Hofkapelle angestellt. Im selben Jahr begann der Kunstliebhaber Friedrich II, der schon Erfahrung mit Baukunst gesammelt hatte, mit der Planung des Forum Fridericianums, eines Gebäudeensembles inklusive Opernhaus. Für dieses neu entstehende Musikzentrum hatte er weder Aufwand noch Geld gespart, um die besten Künstler dafür zu holen.

„Den 19. sind die beyde herren Musici Graun und Simonetti mit 6000 rtl. Reisegeld nach Italien abgegangen, um von da 4 Castraten, überdem 1 Baßisten, 1 Tenoristen, und 4 Cantatricen mitzubringen, auch wegen des Gehalts für die Person bis auf 2000 rtl. zu accordiren.“1

Die Königliche Hofoper wurde 1743 fertig gestellt obwohl die Eröffnungspremiere bereits im Dezember 1742 mit Carl Heinrich Grauns Cesare e Cleopatra stattfand . Das beeindruckende Gebäude wird von Charles Burney später folgendermaßen beschrieben:

„Von hier gingen wir nach dem Opernhause. Dieses Theater stehet frei auf einem großen Platze, auf dem mehr prächtige Gebäude so nahe beisammenstehen, daß man sie mit einem Blicke ansichtig wird, als in irgendeiner andern Stadt in Europa. Der itzt regierende König ließ es kurz nach seiner Thronbesteigung erbauen...Es ist eines der geräumigsten Theater, die ich je gesehn habe, ob es bei dem allen gleich nach dem Verhältnis ein wenig zu kurz scheint...So sieht der gegenwärtige Zustand der Oper in Berlin aus, und die Geschichte muß zeigen, wie er vordem gewesen ist. Hier will ich nur so viel davon anführen, daß seit dem Ableben Friedrich I. Im Jahre 1713 bis 1742 hier keine Opern gespielt worden sind. Kurz zuvor, ehe Se. itzt regierende Majestät 1740 den Thron bestiegen, ward ein neues Theater erbauet, worauf 1742 am Geburtstage der Königlichen Frau Mutter die erste Oper vorgestellt wurde. Um diese Zeit wurden die besten deutschen Instrumentisten, italienische Sänger und Sängerinnen und französiche Tänzer und Tänzerinnen in Dienste genommen, und die Musik ward auf einen viel glänzendern Füß wiederhergestellt als vorher.“2

Friedrichs II. musikalisches Interesse war nicht auf Opern beschränkt. Er komponierte und musizierte auch selbst. Nach der Errichtung des Schlosses Sanssouci in Potsdam im Jahre 1747 verlagerte sich die Musikpflege des Königs immer häufiger auf diesen Sommersitz, der schon bald mit den Gartenanlagen als „preußisches Versaille“ bezeichnet wurde.

„Die übrigen Tage der Woche, währender Carnevalszeit, werden mit Redutten, Concerten, Comödien und andern Lustbarkeiten bey Hofe abgewechselt. Sonst aber wird alle Tage des Abends von 7 bis 9 in der Kammer des Königs ein ordentliches Concert aufgeführet, in welchem Sr. Majestät selbst von ihrem Einsichtsvollen schönen Geschmack und ihrer ausnehmenden Fertigkeit auf der Flöte Proben darzulegen gewohnt sind.“3

HB


1. Richard Wolff (Hrsg.): Berliner geschriebene Zeitungen aus dem Jahr 1740. Der Regierungsanfang Friedrich des Großen. In: Schriften des Vereins für die Geschichte BerlinsHeft XLIV, Berlin 1912, S. 57.

2. Charles Burney: Tagebuch einer musikalischen Reise. Band 3 : Durch Böhmen, Sachsen, Brandenburg, Hamburg und Holland / mit einigen Zusätzen und Anmerkungen zum zweyten und dritten Bande, Hamburg 1773.

3. Friedrich Wilhelm Marpurg: Nachricht von dem gegenwärtigen Zustande der Oper und Musik des Königs in: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik von Friedrich Wilhelm Marpurg, Bd. I, Berlin 1754, S. 75–79.