„Hiermit beschließe ich meine Arbeiten fürs Publikum und lege die Feder nieder“

29. November 2014

Die letzten Lebens- und Schaffensjahre von Carl Philipp Emanuel Bach sind überschattet durch Krankheiten und durch die Erfahrung, nicht mehr im Zentrum der aktuellen musikalischen Rezeption zu stehen. Diese eher die Schaffenskraft hemmenden Faktoren spricht Bach mehrfach in seinen späten Briefen an.

Am 4. November 1787, ein Jahr also vor seinem Tod, übersendet er seinem Gönner und Freund einige seiner jüngsten Notendrucke und beendet den Brief mit dem bemerkenswerten Zusatz: „Hiermit beschließe ich meine Arbeiten fürs Publikum und lege die Feder nieder.“ Dieser Passus klingt so, als ob Bach – mittlerweile ins hohe Alter gekommen – das Komponieren ganz einstellen wolle, was jedoch nur bedingt zutrifft. Noch in seinem Todesjahr entstehen einige Werke, die an Qualität gegenüber seinen bisherigen Kompositionen nichts einbüßen.

Allerdings hat er mit großer Konkurrenz zu kämpfen. In den Konzerthäusern war Bachs Musik bisher eher neben Werken von Benda, Graun, Homilius, Händel und Telemann zu hören. In den 1780er Jahren kann er sich jedoch gegen Kompositionen von Haydn oder Mozart, Vanhal, Kozeluh oder Hoffmeister nicht mehr durchsetzen. Eine neue Generation von Komponisten erobert die Konzerte, und Bach wird langsam verdrängt. Die Komponisten der Wiener Klassik, des Wiener Umfelds überhaupt, dominieren die Programme. Bach bleibt seinem Stil und seiner Ästhetik jedoch bis zum Schluss treu.

Neben dieser deutlichen Verlagerung des Musikinteresses, die Bach wohl resignierend zur Kenntnis nehmen muss, kämpft er mit gesundheitlichen Problemen. Gleich mehrere Krankheiten plagen ihn. Zwischenzeitlich, so schreibt er es in einem Brief, hat er noch Hoffnung auf Besserung. Er stirbt schließlich am 14. Dezember 1788 in Hamburg, seiner letzten Wirkungsstätte.

Eine wahre Flut an Nachrufen und Würdigungen erscheinen in den nächsten Wochen und Monaten nach seinem Tod. Sein Dichterfreund Friedrich Gottlieb Klopstock entwirft zwei Gedenkschriften für Weimar, der Geburtsstadt Bachs, und Hamburg, die jedoch nicht ausgeführt werden.

Grabplatte für C. P. E. Bach im Gruftkeller der St. Michaelis-Kirche in HamburgKarl Philipp Emanuel Bach,
Sebastians Sohn,
wurde in Weimar geboren,
zur Freude der Einwohner;
denn sie wußten,
daß in diesem Geschlecht
die Gabe der Musik erblich sey.
Wie die gute Vorbedeutung eintraf,
höret ihr überall
und leset es auch
an seiner Urne in Hamburg,
wo er starb.“1
 

„Steh hier nicht still, Nachahmer,
Denn du mußt erröten, wenn du bleibest,
Carl Philipp Emanuel Bach,
der tiefsinnige Harmonist,
vereinte die Neuheit mit der Schönheit,
war groß in der vom Worte geleiteten,
noch größer in der kühnen, sprachlosen Musik;
übertraf den Erfinder der Musik:
denn er erhob die Kunst des Spiels
durch Lehre und Ausübung,
bis zu dem Vollendeten."2

Zwischen diesen beiden Städten und Andenken erstreckt sich das lange und ereignisreiche Leben von Carl Philipp Emanuel Bach, der als Komponist zwischen Barock und Klassik viele wichtige Impulse gesetzt hat, und der zu Lebzeiten wohl der berühmteste unter den Bachs war.

CMS


1. Friedrich Gottlieb Klopstock, zwei Inschriften für Denkmäler in Weimar (I) und in der St. Michaeliskirche in Hamburg (II), in: Allgemeine Musikalische Zeitung 2 (1799/1800), Sp. 421 f.; vgl. auch: Ernst Suchalla, Carl Philipp Emanuel Bach im Spiegel seiner Zeit, Hildesheim 1993, S. 45.

2. Ebd.