Kunst und Kommerz

15. November 2014

Nach dem Erfolg der Sechs Clavier-Sonaten für Kenner und Liebhaber aus dem Jahre 1779 entschied sich Carl Philipp Emanuel Bach sein Glück mit fünf weiteren Sammlungen zu versuchen. Die folgenden Drucke von Klaviermusik, die mit Rondos und Fantasien angereichert sind, erschienen bis 1787 und haben damit fast das letzte Jahrzehnt seines Lebens in Anspruch genommen. Der Hauptteil seiner Korrespondenz aus der Hamburger Zeit besteht aus Briefen zwischen ihm und Johann Gottlob Immanuel Breitkopf, die um die Organisation und Herausgabe rund um die „Kenner und Liebhaber“- Sammlungen gingen.

Breitkopf war aber in diesem Fall nicht der Verleger diesen Sammlungen, sondern der Drucker. Denn diese Sammlungen erschienen im Selbstverlag des Komponisten. Das bedeutete, dass Emanuel die kompletten druckfertigen Materialien Breitkopf zur Verfügung stellen musste – das Titelblatt, die Widmung, die Pränumeranten-Liste und natürlich die Musik. Neben diesen zeitaufwändigen Vorbereitungen musste er sich auch um die sonstigen Aufgaben eines Verlegers kümmern. Die Sammlungen wurden durch Pränumeration organisiert, was bedeutete, dass man im Voraus bezahlen musste, bevor gedruckt wurde. Nachdem ein Preis festgelegt wurde, hatte sich Emanuel um Werbung von Pränumeranten zu kümmern, und am Ende konnte er nur hoffen, dass alle Partner in dieser Geschäftsbeziehung ihre Versprechungen hielten und vor allem das Geld pünktlich und vollzählig in Hamburg eintraf, was nicht immer der Fall war.

C. P. E. Bach, Rondo C-Dur (Beginn) aus der 2. Sammlung "für Kenner und Liebhaber" (Quelle: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)

Bachs unternehmerisches Können zeigte sich auch durch seine Rücksichtnahme auf einen geeigneten Veröffentlichungstermin, wie in einem Brief an Breitkopf vom 17. August 1782 deutlich wird: „Wann sollen die Exemplare fertig seyn? Vielleicht auf die Ostermeße?1 Nachdem Bach einen Kostenvoranschlag hatte, konnte er einen Preis für die Pränumeranten festlegen und sich um die Werbung kümmern. Für die Ankündigung seiner vierten Sammlung nutzte er den Hamburger Correspondenten vom 15. Oktober 1782:

Auf diese vierte Sammlung […] kann bis zu Ende des Aprils 1783 hier bey dem Herrn Capellmeister Bach und Herrn Westphal und Comp. und bey folgenden Herren pränumerirt werden: [es folgt eine Liste mit 29 Vermittler in 28 Städten]. Wer 10 Exemplare sammlet, erhält das 11te umsonst, und bey 5 ein halbes. Wer außerdem sich mit Einsammeln abgeben will, bekommt auch so viel. Der Pränumerationspreis ist 4 Mark Lübisch, in Hannöverschen Cassengelde 1 Thlr. 12 Ggr. in alten Louis d'or zu 5 Thlr. 1 Thlr. 16 Gr. In Preußischen Courant 1 Thlr. 20 Gr. Die Auslieferung der Exemplare geschiehet in der Leipziger Ostermeße.“2

Die sechs Sammlungen „für Kenner und Liebhaber“ wurden mit Breitkopfs 1755 entwickeltem neuen Druckverfahren gedruckt. Im Vergleich zu den Gravierungen beim Kupferstich war das neue Verfahren in einem Aspekt nachteilig. Wenn alle bestellten Exemplare fertig gedruckt waren, wurden die Rahmen auseinandergenommen und die Drucktypen für das nächste Projekt benutzt. Gravierungen, die gelagert werden konnten, boten die Möglichkeit für spätere Verwendungen und Nachdrucken an. Es liegt wahrscheinlich an diesem Problem, dass Emanuel die Zahlen eher optimistisch kalkulierte und 1050 Exemplare der ersten Sammlung bei Breitkopf bestellte, obwohl er erst 519 Pränumeranten hatte. Trotzdem machte er mit der ersten Sammlung circa 950 Reichstaler Profit, was ungefähr seinem Hamburger Jahresgehalt entsprach. In einem Brief ebenfalls an seinen Leipziger Hauptverleger aus seinem letzten Lebensjahr erklärte Bach, dass die monetären Vorteile von den Sammlungen nicht die einzige Motivation war:

Ich bin nicht arm[.] Gottlob! Aus Noth thue ichs nicht, was ich thue. Ich habe ansehnlich mit meinen Sonaten gewonnen. Ihre Einrichtung ist nicht das, was Mode blos ist u. bald vergeht. Sie sind original, gefällig, lange nicht so schwehr, wie vieles Zeug, was jetzt erscheint, u. sie sind nicht altväterisch; genug, sie werden sich, wie meine anderen Sachen, u. noch länger erhalten.“3

HB


1 Brief Nr. 121 an Breitkopf (17.08.1782), aus: Ernst Suchalla, Briefe von Carl Philipp Emanuel Bach an Johann Gottlob Immanuel Breitkopf und Johann Nikolaus Forkel, Tutzing 1985 (=Mainzer Studien zur Musikwissenschaft, Bd. 19), S. 151.

2 Ebd. Brief Nr. 124 (15.10.1782), S. 154-155.

3 Ebd. Brief Nr. 179 (03.05.1788), S. 224.