Leiter eines studentischen Collegium musicum

26. April 2014

Nach drei Jahren des Studiums an der Universität in Leipzig zog es Carl Philipp Emanuel Bach im Herbst des Jahres 1734 nach Frankfurt an der Oder. Was genau seine Beweggründe für diesen Umzug waren bleibt unklar. Aus seiner Selbstbiographie geht lediglich hervor, dass er – wie schon in Leipzig – auch an der Frankfurter Universität „die Rechte“ studierte.

„Nach geendigten Schulstudien auf der leipziger Thomasschule habe, ich die Rechte sowohl in Leipzig als nachher in Frankfurth an der Oder studirt, und dabey am letztern Orte sowohl eine musikalische Akademie als auch alle damals vorfallenden öffentlichen Musiken bey Feyerlichkeiten dirigirt und komponirt.“1

Doch aus dem zitierten Textausschnitt wird noch etwas anderes deutlich, nämlich dass sich Bach in Frankfurt vor allem der Musik gewidmet hat und das Studium wohl eher zur Nebenbeschäftigung wurde. Er avancierte bald zum Leiter des studentischen Collegium musicum, der „musikalischen Akademie“ an der Universität und brachte so viele Werke – auch seines Vaters J.S. Bach – zur Aufführung.

Am 18. März 1737 kam es anlässlich des Besuchs des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt und seiner Frau zur Aufführung einer Huldigungsmusik unter der Leitung von C.P.E. Bach. Aus einer handgeschriebenen Rechnung Bachs geht hervor, wie attraktiv ein solcher Aufführungsabend war – auch finanziell.

Gesamtabrechnung der Musik anlässlich des Besuchs des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt am 18.März 1737 durch C.P.E. Bach (Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam).In dieser Gesamtrechnung forderte Bach 14 Taler für die Kunstpfeifer; zehn Taler für die Hautboisten, also die Oboenbläser; zwei Dukaten für die beiden Sänger; drei Taler für den Notisten. Für sich selbst, also für die Komposition und Leitung, verlangte er zwölf Taler.

Doch was war ein Reichstaler zu jener Zeit wert? Eine Übertragung des damaligen Geldwertes in unsere heutige Zeit ist sicherlich nur ansatzweise möglich. Grob lässt sich aber sagen, dass ein Taler etwa den Wert von 72 € hatte. Bach hatte an einem solchen Tag also etwa 860 € verdient.

Wenn man sich einmal die Preise für Nahrungsmittel und Waren zu Bachs Zeit ansieht, dann reicht der Ertrag eines solchen Aufführungsabend zum Beispiel für 48 Kannen (1 Kanne ≈ 0,9356 Liter) besseren Weins, für 18 Paar gewöhnliche Schuhe, oder aber für 10 Ries (1 Ries = 480 Blatt) feines Schreibpapier.

Aus dieser kleinen und nur ungefähren Gegenüberstellung wird deutlich, dass C.P.E. Bach schon in jungen Jahren in der Lage war, sich mit der Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

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1. Charles Burney, Tagebuch einer Musikalischen Reise, Bd. 3: Durch Böhmen, Sachsen, Brandenburg, Hamburg und Holland […], Hamburg 1773, S. 199