Stolzer Sammler - Trauernder Vater

01. November 2014

C.P.E. Bachs Bildersammlung war zu seinen Lebzeiten berühmt. Heute wissen nur Wenige von dieser beeindruckenden Sammlung von Porträts bedeutender Persönlichkeiten, obwohl man viele der Bilder erkennen würde.

Unter anderem waren Porträts von Komponisten, Theoretikern, Wissenschaftlern und Dichtern dabei. Es überrascht daher nicht, dass das bekannteste Ölgemälde von J.S. Bach, das Elias Gottlob Hausmann 1746 malte, auch in seinem Besitz war. Der englische Musikhistoriker Charles Burney beschreibt die Eindrücke von C.P.E. Bachs Bildersammlung, als er den Komponist 1772 in Hamburg besuchte:

Als ich nach seinem Hause kam, fand ich ihn mit drey oder vier vernünftigen und wohlerzogenen Personen, von seinen Freunden, ausser seiner Familie, die aus Madame Bach, seinem Sohn den Licentiaten, und seiner Tochter bestund. Der jüngste Sohn hält sich in Leipzig und Dresden auf, um die Mahlerey zu studiren.

Den Augenblick, da ich ins Haus trat, führte er mich die Treppen hinauf in ein schönes grosses Musikzimmer, welches mit mehr als hundert und funfzig Bildnissen von grossen Tonkünstlern, theils gemahlt, theils in Kupfer gestochen, ausgeziert war. Ich fand darunter viele Engländer und unter andern auch ein Paar Originalgemälde in Oel von seinem Vater und Großvater. Nachdem ich solche besehen hatte, war Herr Bach zu verbindlich, sich an sein Lieblingsinstrument, ein Silbermannisches Clavier zu setzen, auf welchem er drey oder viere von seinen besten schweresten Kompositions, mit der Delikatesse, mit der Precision und mit dem Feuer spielte, wegen welcher er unter seinen Landsleuten mit Recht so berühmt ist...“1

J.S. Bach d.J., Flusslandschaft mit Burganlage im Mondlicht, 1775, Pinsel in Braun und Grünbraun, Rosa und Deckweiß über Graphit (Quelle: Kunstsammlungen der Veste Coburg, Kupferstichkabinett, Inv. Nr. Z 858)

Die Liebe zur bildenden Kunst, die Emanuel Bach am Herzen lag, erbte ebenfalls sein jüngster Sohn. Nach dem Großvater benannt, wurde Johann Sebastian Bach der Jüngere im September 1748 geboren. Ein Jahr zuvor hatte der Thomaskantor die preußische Metropole besucht, wo es zu der legendären Begegnung des Musikers mit Friedrich II. kam. Wie von Burney erwähnt, studierte der jüngste Sohn C.P.E. Bachs die Malerei in Leipzig und Dresden. Lessing urteilte, dass J.S. Bach genau so groß und originell in der Malerei sei, wie seine Vorfahren in der Musik. Besonders als Landschaftsmaler war er erfolgreich und man fragt sich, wie sich sein Stil entwickelt hätte, wenn er nicht so früh verstorben wäre. Der junge Bach unternahm eine Studienreise nach Rom, erreichte die Stadt im Februar 1777 und erkrankte kurz danach. Er wurde von einem in Rom wohnenden Freund der Familie gepflegt. Emanuel schrieb am 20. Juni einen Brief an Forkel:

Adam Friedrich Oeser, Porträt von Johann Sebastian Bach d.J., Pinsel in Grau, laviert und aquarelliert, über Graphit (Quelle: Klassik Stiftung Weimar, Goethe-Nationalmuseum)Mein armer Sohn in Rom liegt seit 5 Monaten an einer höchst schmerzhaften Krankheit danieder, u. ist noch nicht aus aller Gefahr. O Gott, was leidet mein Herz!“2

Johann Sebastian Bach der Jüngere starb am 11. September 1778, kurz vor seinem 30. Geburtstag. Dieses teilte der am Boden zerstörte Vater seinem Leipziger Verleger Breitkopf mit:

Noch ganz betäubt von der traurigen Nachricht wegen des Absterbens meines lieben Sohns in Rom kan ich kaum folgendes zu Papiere bringen...“3

Erhaltene Porträts aus Emanuels Sammlung befinden sich überwiegend im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin. Werke von J.S. Bach dem Jüngeren werden unter anderem in Museen in Wien, Leipzig, Hamburg, Dresden, Weimar und New York aufbewahrt.

HB


1. Charles Burney, Tagebuch einer musikalischen Reise, Bd. 3, Hamburg 1773, S. 211-212.

2. Ernst Suchalla, Bach, Carl Philipp Emanuel: Briefe und Dokumente, Bd. 1, Göttingen 1994, S. 637.

3. Ebd. S. 698.