Tasteninstrument der Bach-Zeit

09. August 2014

Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, etablierte sich in Literatur, Kunst und Musik der Begriff der Empfindsamkeit. Aus der immer größer werdenden Kritik der konservativen Lebensweise in der Zeit des Absolutismus entwickelte sich diese Strömung, die besonders die Sinne und Emotionen in den Mittelpunkt künstlerischen Schaffens stellt. Die Entwicklung der Tasteninstrumente ist bezeichnend für diese Zeit. So wurde das Cembalo gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch das Fortepiano abgelöst.

Das Clavichord galt sogar aufgrund seines intimen und privaten Charakters und bevorzugten Stellung im häuslichen Musizieren als Instrument der Empfindsamkeit par excellence. Carl Philipp Emanuel Bach beschreibt in seinem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen die von ihm favorisierten Clavichord, Flügel, also Cembalo, und Fortepiano. Dass die Werke für Tasteninstrumente im Zentrum von Bachs musikalischem Schaffen stehen, ist unumstritten. Bis zum Tode schrieb er weit über 300 Solowerke für dies drei genannten Instrumente. In seinem Nachlass befanden sich vier Tasteninstrumente, ein Cembalo, ein Fortepiano sowie zwei Clavichorde.

Versuch, Teil 1, 1753, Einleitung:

§. 12. Zur Eigenschaft eines guten Clavicords gehört: daß es außer einem guten nachsingenden schmeichelnden Ton die gehörige Anzahl Tasten habe, welche sich wenigstens von dem grossen C bis e"' erstrecken muß. […]

[Zusatz in der Ausgabe 1787:]

Beym Clavicord muß der Bezug stark seyn, damit der Ton bey der Bebung rein bleibe. Die Tasten müssen nicht zu flach fallen. Außerdem müssen die Wirbel recht fest stehen, damit die Saiten durch die Gewalt des Anschlages sich nicht verstimmen.

§. 11. […] ich glaube aber doch, daß ein gutes Clavicord, ausgenommen daß es einen schwächern Ton hat, alle Schönheiten mit jenem [dem Fortepiano; A.S.] gemein und überdem noch die Bebung und das Tragen der Tone voraus hat, weil ich nach dem Anschlage noch jeder Note einen Druck geben kan. Das Clavicord ist also das Instrument, worauf man einen Clavieristen aufs genaueste zu beurtheilen fähig ist..

§. 13. Ein guter Flügel [das Cembalo; A.S.] muß ebenfalls ausser dem guten Ton und den gehörigen Tasten eine gleiche Befiederung haben; die Probe hiervon ist, wenn man die kleinen Manieren nett und leicht heraus bringen kan, und wenn jeder Taste gleich geschwinde anspricht, nachdem man durch einen gleichen und geringen Druck mit dem Nagel vom Daumen ihre Reihe überstrichen hat. Die Tractirung eines Flügels muß nicht leichte und läppisch seyn; die Tasten müssen nicht zu tief fallen, die Finger einigen Widerstand haben und von dem Tangenten wieder aufgehoben werden. Hingegen muß er aber auch nicht zu schwer niederzudrücken seyn. Denen zu Gefallen, welche noch keine Instrumente von dieser vorgeschriebenen Weite besitzen, habe ich meine Probe=Stücke so eingerichtet, daß sie auf einem Instrumente von vier Octaven können gespielet werden.

§. 11. […] Die neuern Forte piano, wenn sie dauerhaft und gut gearbeitet sind, haben viele Vorzüge, ohngeachtet ihre Tractirung besonders und nicht ohne Schwierigkeit ausstudiret werden muß. Sie thun gut beym allein spielen und bey einer nicht gar zu starck gesetzten Music. […]

Clavichord Lépante, Musée de la Musique, Paris. (Quelle: Foto vom Februar 2005, Urheber: Gérard Janot)

§. 15. Jeder Clavierist soll von Rechtswegen einen guten Flügel und auch ein gutes Clavicord haben, damit er auf beyden allerley Sachen abwechselnd spielen könne. Wer mit einer guten Art auf dem Clavicorde spielen kan, wird solches auch auf dem Flügel zuwege bringen können, aber nicht umgekehrt. Man muß also das Clavicord zur Erlernung des guten Vortrags und den Flügel, um die gehörige Kraft in die Finger zu kriegen, brauchen. Spielt man beständig auf dem Clavicorde, so wird man viel Schwierigkeiten antreffen, auf dem Flügel fortzukommen; man wird also die Clavier=Sachen, wobey eine Begleitung von andern Instrumenten ist, und welche also wegen der Schwäche des Clavicords auf dem Flügel gehöret werden müssen, mit Mühe herausbringen; was aber mit vieler Arbeit schon muß gespielet werden, das kan ohnmöglich die Würckung haben, die es haben soll.

Versuch, Teil 2, 1762, Einleitung:

§. 6. Das Fortepiano und das Clavicord unterstützen am besten eine Ausführung, wo die größten Feinigkeiten des Geschmackes vorkommen. Nur wollen gewisse Sänger lieber mit dem Clavicord oder Flügel, als mit jenem Instrumente, accompagniert seyn.

AS


1. C.P.E. Bach: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen, Teil 1, Berlin 1753; Neudruck Leipzig 1976 und häufiger.