Unterwegs mit der Postkutsche…

23. August 2014

Am Hofe Friedrichs II. war es Bach durch seinen zeitaufwändigen Dienst als Kammercembalist nicht vergönnt, länger zu verreisen, etwa um sich fortzubilden, zu seiner Familie nach Leipzig zu fahren oder Freunden einen Besuch abzustatten. Bedenken wir, dass eine Reise mit der Postkutsche von der preußischen Metropole in die Messestadt Leipzig im 18. Jahrhundert mindestens zwei Tage beanspruchte.

Auch wenn sich Bach in Berlin zahlreicher Besucher und vieler Freunde erfreuen konnte, bedauerte er doch später in seiner Selbstbiographie, „daß es mir ungemein lieb und auch vortheilhaft würde gewesen seyn, wenn ich hätte können Gelegenheit haben, fremde Länder zu besuchen.1

Wilhelm von Diez (1839-1907), Postkutschenreise, 1864, Öl auf Leinwand. (Quelle: Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Inv. Nr. 4.0.886)Nach einer Reise ins böhmische Teplitz (heute: Teplice) im Jahre 1743 aufgrund von Gichtbeschwerden, die er dort zu kurieren versuchte, sind die nennenswertesten Aufenthalte seiner Berliner Zeit wohl Leipzig, Halberstadt und Hamburg. In Leipzig führte Bach 1750 nach einem Bericht des Kantors Johann Friedrich Wilhelm Sonnenkalb sein Magnificat auf. Der Grund für die Fahrt nach Halberstadt 1751 war der Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim, den Bach Anfang der 1740er Jahre in Berlin kennengelernt hatte. Gleim, seit 1747 Domsekretär in der im nördlichen Harzvorland gelegenen Stadt, war Bach freundschaftlich verbunden. Dass sich dieser Besuch nicht wiederholte, als der Musiker erneut auf Reisen war, nun allerdings inmitten der Kriegswirren, enttäuschte Gleim offensichtlich. So schrieb er 1758 an Carl Wilhelm Ramler:

„... Daß Herr Bach so nahe gewesen ist, und mich nicht besucht hat, ist nicht halb recht. Was für furchtsamen Seelen sind die Virtuosen? Er hat sich für Soubise gefürchtet. Er hätte einen so schönen Topf mit Kraunsbeeren für ihn, bey mir angetroffen...“2

Mit „Soubise“ ist hier Prinz Charles de Rohan Soubise (1715-1787) gemeint, Fürst und Gouverneur von Flandern und dem Hennegau, der mit den französischen Truppen gegen Friedrich II. in den Siebenjährigen Krieg zog.

Nach seinem ersten Besuch in Halberstadt im Jahre 1751 traf Bach über Braunschweig reisend Mitte Juni in Hamburg ein, wo er Johann Mattheson aufsuchte. Dieser vermerkte in seiner Autobiographie:

„D. 15. Junii statteten der berühmte clavicimbalist, Carl Philipp Emanuel Bach, und der starke italienische Violinist, Pio, samt dem kunstreichen schwedischen Glockenspieler in Stockholm, Namens Seliger, zugleich einen dreyfachen, unvermutheten Besuch bey M.[attheson] ab, wobey die Unterredungen sehr musikalisch und ergötzlich ausfielen.“3

Es ist davon auszugehen, dass Bach in Hamburg auch seinem Paten Georg Philipp Telemann begegnete, der an den fünf Hauptkirchen der Hansestadt als Musikdirektor wirkte. 17 Jahre später übernahm er dieses Amt.

AS/HGO


1. C. P. E. Bach, Selbstbiographie, in C. Burney, Tagebuch seiner Musikalischen Reisen, Bd. 3, Hamburg 1773, S. 202.

2. Johann Wilhelm Ludwig Gleim an Carl Wilhelm Ramler in Berlin – Halberstadt, den 11. Dezember 1758, in: Suchalla (Hrsg.), C. P. E. Bach, Briefe und Dokumente, S. 62.

3. J. Mattheson, Grundlage einer Ehren-Pforte, hrsg. von M. Schneider, Kassel/Basel 1969, Anhang, S.28.