„Von meinen Meisterstücken ein beträchtliches“

08. November 2014

Das 1774 entstandene Oratorium „Auferstehung und Himmelfahrt Jesu“ hatte Bach – wie schon sein vorheriges Oratorium „Die Israeliten in der Wüste“ - nicht für einen bestimmten Anlass komponiert. Zwar fand die Uraufführung im selben Jahr zu Ostern in einem privaten Kreis statt, die folgenden Aufführungen wurden dann aber dem allgemeinen Trend folgend in den Konzertsaal verlegt, losgelöst vom kirchlichen Rahmen.

Die Musikwelt nahm das Auferstehungs-Oratorium in der Folgezeit begeistert auf. In einem Artikel des „Hamburgischen Correspondenten“ vom 7. März 1778 wurde die erste öffentliche Aufführung angekündigt.

Dies ist der Text zu der Musik, welche Hr. Kapellmeister Bach morgen in dem hiesigen Concertsaal auf dem Kamp aufführen wird. Der Verfasser dieser Anzeige hat das Vergnügen gehabt, bey der ersten Probe derselben gegenwärtig zu seyn, und er muss gestehen, daß seine Erwartung, so groß sie auch von Carl Philipp Emanuel war, noch übertroffen worden. Bach hat sich bey dieser Musik ganz seinem Genie überlassen, ohne auf diesen oder jenen Umstand Rücksicht zu nehmen. Alles, was durch den Gebrauch der vollesten, richtigsten Harmonie, der kühnsten Ausweichungen, und der contrapunktischen Künste in den Chören, Fugen und accompagnirten Recitativen geleistet werden kann, findet man hier zusammen, und in den Arien herrscht derjenige Gesang, der durch Bachische Begleitung unterstützt, einem geübten Ohre so viel Vergnügen verursacht.“1

Als Bach sich entschloss, die Partitur des Oratoriums bei Breitkopf in Leipzig zu drucken, dürften die durch den Rezensenten des „Hamburgischen Correspondenten“ am 9. Juli 1784 bei Publikum geweckten Erwartungen groß gewesen sein.

C. Ph. E. Bach: Titelblatt „Carl Wilhelm Rammlers Auferstehung und Himmelfahrt Jesu“, Leipzig im Breitkopf Verlag 1787, Erst- ausgabe der Partitur. In Typendruck. Im Besitz der Musikgesell- schaft Carl Philipp Emanuel Bach Frankfurt (Oder) e.V.Schon 1778, da der Herr Kapellmeister diese Musik [zum Auferstehungs-Oratorium] zum erstenmal in dem hiesigen Concertsaal aufführte, äußerten alle gegenwärtige Kenner und Liebhaber der Tonkunst den Wunsch, selbige gedruckt zu sehen. Bis jetzt hat der Herr Kapellmeister diesen Wunsch nicht erfüllt; endlich aber hat er sich entschlossen, diese vortreffliche Ramlersche Cantate (sie ist kein Oratorium) in einer vollständigen Partitur, so wie die Israeliten, mit Breitkopfschen Notendruck herauszugeben. Wir haben in No. 43 dieser Blätter von dem oben gedachten Jahre eine kurze Anzeige dieser Bachschen Composition mitgetheilt, die wir hier mit Vergnügen wiederholen, da wir noch bis diesen Augenblick diese Musik für eins der größten Meisterstücke halten, welche Bach je componiert hat, und worinn unsere Erwartung, so groß sie auch von Carl Philipp Emanuel war, noch übertroffen worden."2

 

Bach selbst schien mit seiner Komposition auch zufrieden. Wie aus einem Brief an seinen Verleger Breitkopf sowie an seinen „Gönner und Freund“ den Naturwissenschaftler Johann Hieronymus Schröter hervorgeht.

Carl Philipp Emanuel Bach an Johann Gottlob Immanuel Breitkopf in Leipzig – Hamburg, den 21. September 1787:

Diese Ramlersche Cantate ist zwar von mir, doch kann ich ohne närrische Eigenliebe behaupten, daß sie sich viele Jahre erhalten wird, weil sie von meinen Meisterstücken ein beträchtliches mit ist, woraus junge Componisten etwas lernen können. Mit der Zeit wird sie auch so vergriffen werden, wie Grauns Tod Jesu. Anfänglich haperts mit allen solchen Sachen, die zur Lehre u. nicht für Damen u. musikalische Windbeutel geschrieben sind.“3

Carl Philipp Emanuel Bach an Johann Hieronymus Schröter in Lilienthal – Hamburg, den 4. November 1787:

Diese Cantate, bey welcher ich vielen Schaden habe, und die Litaneyen […] sich unter allen meinen Sachen die am stärksten gearbeiteten Stücke, und von welchen ich, ohne ein eigenliebiger Geck zu seyn, hoffen darf, daß sie mir auch nach meinem Ableben viele Ehre und Kunstliebhabern großen Nutzen bringen können. Hiermit beschließe ich meine Arbeit und lege die Feder nieder.“4

08.11.2014 CMS


1. Ernst Suchalla (Hrgs.), Carl Philipp Emanuel Bach im Spiegel seiner Zeit. Die Dokumentensammlung Johann Jacob Heinrich Westphals, Hildesheim 1993, S. 97.

2. Ernst Suchalla (Hrgs.), Carl Philipp Emanuel Bach im Spiegel seiner Zeit. Die Dokumentensammlung Johann Jacob Heinrich Westphals, Hildesheim 1993, S. 146f.

3. zit. nach Ernst Suchalla, Carl Philipp Emanuel Bach. Briefe und Dokumente, Göttingen 1994, Bd. 2, S. 1227-1230.

4. zit. nach Ernst Suchalla, Carl Philipp Emanuel Bach. Briefe und Dokumente, Göttingen 1994, Bd. 2, S. 1239f.