Der Cembalist am Preußenhof – C. P. E. Bachs (heute noch erhaltene) Instrumente

„Sonst aber wird alle Tage des Abends von 7 bis 9 in der Kammer des Königs ein ordentliches Concert aufgeführet, in welchem Sr. Majestät selbst von ihrem Einsichtsvollen schönen Geschmack und ihrer ausnehmenden Fertigkeit auf der Flöte Proben darzulegen gewohnt sind.“ 1

Zu den Pflichten Carl Philipp Emanuel Bach als Hofcembalist am preußischen Königshof gehörte es, seinen Dienstherrn Friedrich II. bei dessen allabendlicher Kammermusik zu begleiten. Von den Instrumenten, auf denen er dabei spielte, sind heute noch zwei Hammerflügel und drei Cembali erhalten.

Die beiden Hammerflügel stammen aus der seinerzeit berühmten Manufaktur Gottfried Silbermanns (1683–1753) und wurden von Friedrich auf eigene Kosten im Dezember 1746 und im Mai 1747 erworben. Beide Instrumente befanden sich zu Bachs Lebzeiten im Potsdamer Stadtschloss, wechselten später aber an die Standorte, wo sie auch heute noch besichtigt werden können, in das Schloss Sanssouci und das Neue Palais.

Hammerflügel von Gottfried Silbermann, Freiberg (Sachsen) 1746

Das Instrument in Sanssouci  fand erst nach dem Zweiten Weltkrieg seinen neuen Platz im von Johann August Nahl dekorierten Konzertzimmer des Schlosses. Nach der Restaurierung durch Martin Christian Schmidt  befindet es sich heute wieder in spielbarem Zustand. Es ruht auf einem einfachen Gestell ohne Fassung, der Umfang seiner Klaviatur beträgt F‘ bis d‘‘‘. Gottfried Silbermann hat das Instrument persönlich signiert. Auf der Rückseite des Damms unterhalb des Resonanzbodens,befindet sich folgender handschriftlicher Vermerk: „Dieß instrument: Piano et Forte genandt, ist von den Königl. Pohlnischen, und Churfl. Sächs. Hof und Landt Orgel, und Instrument macher, in Freyberg von Herrn, Gottfried | Silbermann, verfertiget worden, Datum, Freyberg in Meißen den 11. Junij | Anno Christi 1746“ . Ein weiterer, der sich auf einer der Tasten befindet, weist allein auf das Herstellungsjahr hin: „1746. d[en] 1. De[zem]b[e]r 1746“ .

Hammerflügel von Gottfried Silbermann, Freiberg (Sachsen) 1747

Der vor allem als Orgelbauer berühmt gewordene Gottfried Silbermann stammte aus dem Erzgebirge, wo er vermutlich eine Tischlerlehre durchlief, bevor er ab 1701 in Straßburg durch seinen Bruder Andreas zum Orgelbauer ausgebildet wurde. Nach mehrjähriger Tätigkeit in Frankreich kehrte er 1710 nach Sachsen zurück; 1723 ernannte ihn Kurfürst Friedrich August I. zum sächsischen Hof- und Landorgelbauer. Allein in Mitteldeutschland sind 46 Orgeln von ihm nachweisbar. Aber Silbermann konzentrierte seine Tätigkeit keinesfalls auf den Bau von Orgeln, sondern finanzierte sich damit Experimente und Forschungen auf dem Gebiet der besaiteten Tasteninstrumente. Sowohl bei der Entwicklung als auch der Verbreitung des Hammerklaviers spielte er eine wichtige Rolle. Silbermann machte das neue Instrument bei den Musikern und an vielen musikbegeisterten Höfen Deutschlands bekannt und bot es zu einem vertretbaren Kaufpreis an. Seine Hammerflügel sind von höchster handwerklicher Qualität und waren um die Mitte des 18. Jahrhunderts die besten, die in Deutschland zu finden waren.

 

Der andere der beiden Hammerflügel ist dagegen unsigniert.  Sein Wechsel vom Stadtschloss in das untere Konzertzimmer des Neuen Palais, das in wesentlichen Teilen von Johann Christian Hoppenhaupt dem Jüngeren dekoriert worden ist, vollzog sich vermutlich schon um 1769, also kurz nach dem Weggang C. P. E. Bachs nach Hamburg. Das Instrument liegt auf einem besonders kostbar geschnitzten und vergoldeten Gestell im späten Rokokostil, möglicherweise aus der Werkstatt von Peter Schwitzer , der für eine Anzahl an Bildhauerarbeiten bei der Inneneinrichtung des Neuen Palais verantwortlich war. Im Unterschied zu dem Hammerflügel in Sanssouci ist sein Klaviaturumfang bis e‘‘‘ erweitert. Das hängt unmittelbar mit der Transponiervorrichtung zusammen, die dem Spieler neben der Una-corda-Verschiebung zwei verschiedene Stimmtonhöhen zur Verfügung stellt. Die Hofmusiker spielten in zwei Stimmungen, die höhere (a‘ bei etwa 415 Hz) diente der repräsentativen Orchestermusik, die tiefere (ungefähr a‘ = 390 Hz) der Begleitung von Flötenspielern und zur Kammermusik.

Im Mai 1747 folgte Johann Sebastian Bach einer Einladung Friedrichs II. nach Potsdam, wo er im Stadtschloss die Hammerflügel von Silbermann ausprobierte. Der Umgang mit dem relativ modernen und universellen Tasteninstrument war dem alten Bach vertraut. Auf einem dieser Hammerflügel spielte ihm der Preußenkönig jenes Thema vor, über das Vater Bach schon während des Besuches improvisierte und das er im Anschluss in Leipzig zum „Musikalischen Opfer“ BWV 1079 ausarbeitete.

 

Im Dezember 1766 erwarb Friedrich II. über den Magdeburger Kaufmann Bachmann „2 Englische Clavire“, wie es in der Schatullrechnung heißt. Diese beiden zweimanualigen Cembali stammen aus der Londoner Werkstatt von Burkat Shudi (1702–1773). Sie verfügen über eine jalousieartige Schwellvorrichtung („Venetian Swell“) – eine Besonderheit, die sich Shudi 1769 patentieren ließ. 

Das eine der beiden Instrumente befindet sich noch immer im unteren Konzertzimmer im Neuen Palais, das andere wird heute im Glinka national museum consortium of Musical Culture in Moskau ausgestellt. Ein drittes Shudi-Cembalo aus dem Besitz Friedrichs II. wurde erst vor kurzem in Polen wiederentdeckt.

Cembalo von Burkat Shudi, London 1766

Der Deutschschweizer Burkhardt Tschudi kam 1718 als ausgebildeter Kunsttischler nach London und arbeitete dort bei dem flämischen Cembalobauer Herman Tabel, von dem er sich viele Techniken aneignete. 1728 machte er sich selbständig und anglisierte seinen Namen zu Burkat Shudi. Besonders bemühte er sich um die Verbesserung des Cembalos: Da er seine Instrumente größer und stärker bezogen baute, waren sie tonkräftiger; außerdem wurden sie mit Zügen und auch schon mit Pedalen versehen. 1770 machte er seinen Schwiegersohn John Broadwood zum Teilhaber des Unternehmens; zwei Jahre später zog er sich ganz daraus zurück. Die Klavierbaufirma John Broadwood & Sons exisitiert noch heute.

 

Ulrike Wolf

 


1. Friedrich Wilhelm Marpurg: „Nachricht von dem gegenwärtigen Zustande der Oper und Musik des Königs“, in: Historisch-Kritische Beyträge zur Aufnahme der Musik von Friedrich Wilhelm Marpurg, Bd. I, Berlin 1754, S. 75–79